Grand Prix / Bruno, Chef de police Bd.9

Martin Walker, Grand Prix. Der 9. Fall für Bruno Chef de police. Roman. Diogenes, 2017, 384 S., Eur 24,70

Es ist Hochsommer im Périgord und Hochsaison für ausgedehnte Gaumenfreuden und Fahrten mit offenem Verdeck durch malerische Landschaften. Eine Oldtimer-Rallye, von Bruno, Chef de police, organisiert, bringt auch zwei besessene junge Sammler nach Saint-Denis. Sie sind auf der Jagd nach dem begehrtesten und wertvollsten Auto aller Zeiten: dem letzten von nur vier je gebauten Bugattis Typ 57SC Atlantic, dessen Spur sich in den Wirren des Zweiten Weltkriegs im Périgord verlor. Ein halsbrecherisches Wettrennen um den großen Preis beginnt.

Wie jeder Martin Walker bisher einfach purer Lese- und Lebensgenuss, noch mehr im Angesicht der Morde....und mit Hingabe recherchierter Stoff für eine gute Geschichte.

   
Stille Wasser / Commissario Brunetti Bd.26

Donna Leon, Stille Wasser. Commissario Brunettis 26. Fall. Diogenes, 2017, 343 S., Eur 24,70

Auch wenn es anfangs nur ein fingierter Schwächeanfall war, geht Commissario Brunetti auf das Angebot der Ärztin ein, ihn krankzuschreiben und zieht sich in die Villa von Paolas Verwandten aufs Land zurück. Doch schon bald holt der Tod ihn auch dort ein und er muss vom Ruhe suchenden Gast wieder in die Rolle des ermittelnden Commissarios zurück...

Der sonst so unermüdlich die Wahrheit aufdeckende Commissario wirkt bei diesem Fall ein wenig müde und überdrüssig der Venezianischen Intrigen auf höchster politischer Ebene...

   
Gray

Leonie Swann, Gray. Kriminalroman. Goldmann, 2017, 415 S., Eur 20,60

Dr. Augustus Huff, Dozent an der berühmten Universität von Cambridge, hat plötzlich ein Problem: einer seiner Studenten ist in den Tod gestürzt. Nur ein tragischer Unfall oder Mord? Augustus vermutet Letzteres, denn das Opfer war alles andere als ein Engel. Ein Mörder im Elfenbeinturm – das darf nicht sein, und so macht sich Augustus, unterstützt von Gray, dem Graupapageien des Verstorbenen, auf die Suche nach dem Täter. Der Vogel erweist sich aber als vorlautes Federvieh, und zuerst stolpert Augustus von einem Fettnäpfchen in das nächste. Doch schon bald ist es Gray, der die richtigen Fragen stellt und Augustus begreift: nur gemeinsam können sie es schaffen, diese harte Nuss von einem Fall zu knacken.

Als Garou- und Glennkill-verwöhnte Leserin kommt "Gray"für mich vom humoristischen Unterhaltungswert nicht an seine blöckenden Vorgänger heran und über die ersten Seiten musste ich mich etwas durchkämpfen, es hat sich aber letztlich gelohnt. Von der Gesamtqualität und den gut recherchierten und sich letztlich zusammenfügenden Handlungssträngen sicher Leonie Swanns bestes Buch.

   
Sterben auf Italienisch

Michael Dibdin, Sterben auf Italienisch. Aurelio Zen ermittelt in Kalabrien. Unionsverlag, 2017, 380 S., Eur 14,40

Aurelio Zen, Sonderermittler der italienischen Polizei, wird nach Cosenza, Kalabrien, gerufen. Dort ist der Amerikaner Robert Newman verschwunden, und alles sieht nach einer klassischen Entführung aus. Doch wenig später findet man Newmans übel zugerichtete Leiche, und einem kleinen Jungen, der Newman zuletzt gesehen hat, wird die Zunge herausgeschnitten. Aurelio Zen kommt mit seinen Ermittlungen nicht voran, überall stößt er auf eine Mauer des Schweigens. Doch anstatt einen Täter zu finden, provoziert der Kommissar mit seinen Untersuchungen nur weitere Morde.

Dibdins Kriminalromane garantieren eine unheimliche Dichte an Charakteren, Stimmungen, Handlungen und Ortsbeschreibungen. Selbst im Bett gelesen, garantieren sie dass man wach bleibt.

   
HELIX - Sie werden uns ersetzen

Marc Elsberg, Helix - Sie werden uns ersetzen. Roman, Blanvalet, 2016, 648 S., Eur 23,70

Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Während der Obduktion wird auf seinem Herzen ein seltsames Zeichen gefunden – von Bakterien verursacht? In Brasilien, Tansania und Indien entdecken Mitarbeiter eines internationalen Chemiekonzerns Nutzpflanzen und –tiere, die es dort nicht geben kann. Zur gleichen Zeit wenden sich Helen und Greg, ein Paar Ende dreißig, die auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können, an eine Kinderwunschklinik in Kalifornien. Der Arzt macht ihnen Hoffnung, erklärt sogar, er könne die genetischen Anlagen ihres Kindes deutlich verbessern. Er erzählt ihnen von einem – noch inoffiziellen – privaten Forschungsprogramm, das bereits an die hundert solcher »sonder-begabter« Kinder hervorgebracht hat, und natürlich wollen Helen und Greg ihrem Kind die besten Voraussetzungen mitgeben, oder? Doch dann verschwindet eines dieser Kinder, und alles deutet auf einen Zusammenhang mit sonderbaren Ereignissen hin – nicht nur in München, sondern überall auf der Welt …

Spannung bis zur letzten Seite und die Hoffnung, dass die Geschichte nur Fiktion bleibt!

   

Arnaldur Indridason, Tage der Schuld. Island Krimi. Lübbe, 2017, 446 S., Eur 22,00

Island 1978. Ein Toter wird in einem Gewässer mitten in einem Lavafeld entdeckt. Kommissar Erlendur nimmt zusammen mit Marian Briem die Ermittlungen auf. Eine Spur führt zur nahe gelegenen US-Militärbasis. Dort scheint niemand mit der isländischen Polizei zusammenarbeiten zu wollen. Wurde dem Toten womöglich ein Militärgeheimnis zum Verhängnis? Erlendur beschäftigt zudem das mysteriöse Verschwinden eines jungen Mädchens vor mehr als zwanzig Jahren, und er ermittelt auf eigene Faust. Das Mädchen war damals auf dem Schulweg an dem berüchtigten Camp Knox vorbeigekommen ...

Sehr eindrucksvoll kommt in Arnaldur Indridasons Büchern neben der Krimihandlung die Stimmung in Island mit - sehr ungewohnt ist das "Du" in Verhören, bei Befragungen, zwischen Kollegen unterschiedlicher Bereiche....ein langsames Buch, dessen Spannung erst auf den letzten 100 Seiten an Dramatik zunimmt.

   
9783426199398

Volker Klüpfel, Michael Kobr, Himmelhorn. Kluftingers neuer Fall. Droemer, 2016, 493 S,

Eur 20,60

Der neunte Fall der Bestseller-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr führt den Kult-Kommissar Kluftinger in die Allgäuer Alpen, genauer gesagt auf das Himmelhorn, einen der gefährlichsten Berge des Allgäus. Natürlich liebt Klufti die Berge – wenn sie kässpatzenförmig auf seinem Teller aufragen. Doch der neueste Streich von Gesundheitsfetischist Langhammer befördert den Kommissar samt E-Bike tief in die Allgäuer Alpen, wo die beiden prompt auf drei Leichen stoßen: ein bekannter Dokumentarfilmer und zwei einheimische Bergführer, die einen Film über die Erstbesteigung des Himmelhorns drehen wollten. Wie es scheint, waren sie dem als äußerst gefährlich geltenden Gipfel nicht gewachsen. Die Ermittlungen im Umfeld der Toten führt Klufti in sehr abgelegene Alpentäler und zu deren starrköpfigen Bewohnern, die noch wortkarger sind als er.

Wer vor dem Einschlafen gerne einen gehaltvollen Krimi liest und dabei nicht das blanke Grauen im Nacken sitzen haben möchte, sondern lieber herzhaft Tränen lacht, der ist mit dem neuen "Kluftiger" bestens beraten. Und der hat diesmal fast 500 Seiten! Also wirklich Lesevergnügen fast ohne Ende.

   

Teresa Pütz (Hg.) Ausgezeichnete Morde. Droemer, 2016, 316 S., Eur 10,30

Sie wurden vielfach ausgezeichnet. Sie garantieren Spannung. Und sie sind Wiederholungs-täter, die für diese besonders schön ausgestattete Best-of-Crime-Anthologie in die Tasten gegriffen habenund seitenweise Nervenkitzel verbreiten: Sebastian Fitzek, Val McDermid, Friedrich Ani, Judith W. Taschler, Mechtild Borrmann, Nina George, Tatjana Kruse, Judith Merchant, Wolfram Fleischhauer, Thomas Kastura und Harald Gilbers.

Wirklich SEHR gelungen!!

   

Pierre Martin, Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs. Eine Provence-Krimi. Knaur, 2016, 362 S., Eur 10,30

Das Sirren der Zikaden, der würzige Duft von Lavendel und hinter sanft geschwungenen Hügeln das azurblaue Meer. Das Dörfchen Fragolin im Hinterland der Côte d’Azur ist der ideale Ort, um die Seele baumeln zu lassen – doch Kommissarin Isabelle Bonnet ist damit beschäftigt herauszufinden, ob der Polizeichef wirklich aufgrund einer harmlosen Krebsdiagnose Selbstmord begangen hat. Ihr Assistent recherchiert in der Zwischenzeit zu einem länger zurückliegenden Überfall auf einen Juwelier bei dem dessen Ehefrau und eine Kundin ermordet wurden. Über 360 Seiten Spannung und Eintauchen in das Leben an Frankreichs Côte d’Azur. Sie werden auch die anderen Bände von Madame le Commissaire haben wollen!

   
Die Schattenbucht

Eric Berg, Die Schattenbucht. Kriminalroman, LIMES, 2016, 410 S., Eur 15,50

Ohne ersichtlichen Grund und ohne emotionale Regung springt Marlene Adamski vom Balkon ihres Hauses in die Tiefe. Sie überlebt, spricht seither jedoch kein Wort mehr. Psychologin Ina Bartholdy findet keine Erklärung für das Verhalten der 62-jährigen Bäckersfrau, doch der Fall lässt sie nicht los. Zu Hause im mecklenburgischen Prerow, wird Marlene scheinbar liebevoll umsorgt. Doch das Verhalten ihres Ehemanns macht Ina stutzig. Keine Sekunde lässt er sie mit Marlene allein, will offensichtlich verhindern, dass sie mit Ina spricht. Was hat dieser Mann zu verbergen? Und was hat er mit den merkwürdigen Vorfällen zu tun, die sich in Prerow häufen?

Ein sehr dichter Kriminalfall in den direkt und indirekt viel mehr Personen verstrickt sind, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Spannung erhöhen Rückblenden zu den Ursprüngen des Verbrechens, die sich mit der aktuellen Recherche der Psychologin, die selbst immer mehr in den dichten Sog hineingezogen wird, abwechseln. Und wenn alles offen vor den LeserInnen ausgebreitet ist, bleiben noch die ethischen Fragen, die aus der Aussage resultieren, was Menschen tun würden, wenn sie 100%ig wüssten, dass man ihnen nicht auf die Schliche käme... Wo liegt IHRE Grenze?

   
Aus.Amen!

Walter Müller, AUS. AMEN! Krimi. Molden, 2012, 167 S., Eur 19,99

Wir haben lange überlegt, ob wir dieses Buch in die Kategorie "Spannung" geben oder doch lieber unter "Entspannung" wegen des hohen Unterhaltungswertes. Weil es ein Krimi ist, ist es schließlich doch hier gelandet. Gehören würde es in die Kategorie "Humor". Sie werden es bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen und sich phasenweise "zerkugeln". Mord, Selbstmord oder Unfall ist die Frage als der Autor Martin Klinger tot in seiner Wohnung aufgefunden wird, begraben unter seinem Bücherregal mit reichem Inhalt. Das Unterhaltsame an diesem Krimi ist, dass der Tote aus dem Jenseits alles mithört, die Sanitäter, die Polizisten, seine Putzfee, die Nachbarn....und ständig seinen Kommentar dazu abgibt, weil das Fremdbild und alle Hypothese die Tatsachen so gar nicht treffen. Und weil sein Tod auch für ihn sehr unerwartet kam, hat er natürlich keine Vorkehrungen getroffen, was dazu führt, dass nun alles anders läuft als er sich seinen Abgang gewünscht hatte. Spätestens nach der Lektüre dieses Buches schreiben Sie Ihr Testament, auch wenn Sie, so wie Martin Klinger, eigentlich gar nicht viel hinterlassen außer Rätsel ;))"